Ist QualityLand realistisch?

futuristischer Kampfroboter. wenn er als Staubsauger ausgeliefert werden würde könnte es ein QualityLand Charakter sein.

Der von den Känguru Chroniken bekannte Autor Marc-Uwe Kling hat vor mittlerweile fast einem Jahr seinen neuen Roman im Ullstein Verlag veröffentlich: QualityLand. Zeit genug sich als Fan die Audio CD so oft an zu hören, dass man den realen Kern analysieren kann. Denn diese nicht allzu ferne Zukunft ist schon beim ersten Mal erschreckend realistisch. Sowohl Digitalisierung als auch der Kapitalismus werden von Marc-Uwe Kling auf die Spitze getrieben, die zwar noch weit weg aber nicht undenkbar ist. An 7 Punkten werden wir sehen wie viel QualityLand uns in Zukunft oder schon heute erwartet.

 

1. Das Levelsystem

Quality Land zeigt die Digitalisierung der Welt in überspitzter Form.

Die dunkle Edition.


Einer der erschreckendsten und wichtigsten Pfeiler von QualityLand: Jeder Bürger hat die Möglichkeit sich in seinem Leben hoch zu leveln. Von 0 bis 100 ist alles dabei, je höher du stehst desto privilegierter bist du. Bist du allerdings im einstelligem Bereich wirst du als Nutzloser deklariert und somit eigentlich schon gesellschaftlich irrelevant und nicht gerne gesehen. Klar ist dass Gesundheit, soziale Kontakte, Beruf etc. relevante Faktoren für das Scoring sind. Allerdings kann keiner präzise sagen, welche Faktoren alle in welchem Maße deine Werte beeinflussen.

Solch ein Scoringsystem wird in China, so absurd es auch klingen mag, auch heute schon als Pilotprojekt getestet, nur das du dort kein Level, sondern Kategorien hast. Vom D bis AAA geht hier die Klassifizierung. Als guter Bürger bekommt man schneller Kredite und wird bei amtlichen Dingen bevorzugt. Das können beispielsweise Visa Anträge sein. Ist man Vorgestraft oder spricht öffentlich negativ über das eigene Land bekommt man nicht mal mehr ein Zugticket. Und das sind lediglich Ausschnitte aus den offiziellen Folgen. Auch wenn das scoring System erst 2020 komplett staatlich eingesetzt werden soll ist Klings Prognose überraschend schnell in Erfüllung gegangen.

 

2. The Shop

The Shop ist Amazon prime auf dem nächsten Level mit Drohnen. Der Algorithmus weis was du willst oder wollen wirst und sendet es direkt zu dir. Früher oder später mit einer guten Erfolgsrate in jedem Fall möglich, doch wollen wir als Kunde das? Für manche ist es ein Traum sich um den eigenen Konsum keine Gedanken mehr machen zu müssen, für andere eher ein Alptraum. Es ist nur im Interesse von Amazon oder The Shop das maximal viel gekauft wird, also wird dir auch genau so viel gekauft wie du finanziell vertragen kannst. Hier kommt es auf den Konsumenten an ob wir alle eines Tages alles zugeschickt bekommen oder eigenständige Entscheidungen fällen. Die Möglichkeit wird es mit sicherheit eines Tages geben, doch werden wir es nutzen?

 

3. Kuss Bezahlung

Wer Quality Land nicht lustig findet ist selbst dran schuld.

Die helle Edition.


Da in Qualityland alles online bezahlt wird und Passwörter zu unsicher sind dürfen alle ihre Geräte küssen. Die zuvor genutzten Fingerabrücke wurden durch einen Hackerangriff gestohlen und können deswegen nicht mehr benutzt werden. Soweit ist das alles im rahmen des wahrscheinlichen nur das der Kuss wahrscheinlich mit dem Ohr ersetzt wird. Lippen ändern sich zu schnell und sind auch nicht individuell genug. Dein Ohr Abdruck schon. Aber Peter Arbeitsloser glaubt sowie so das der Kuss für eine größere emotionale Bindung gewählt wurde. Nur das das selbst im Buch etwas nach hinten losging.

 

Ein Rosa Kussmund flach aus Lippenstift

Gerät oder doch Partner?

4. QualityPartner

Online Dating ist zur Norm geworden, ein offline Partner schon verrückt. Nach Level und anderen unbekannten Algorithmus daten werden Paare zusammengebracht. Dass das zurzeit schon passiert  sollte jedem klar sein, die Frage ist nur wie viele Daten diese Plattformen dann haben werden. Mit der DSGVO wird das in Deutschland noch nicht möglich sein doch in China würde es uns  nicht wundern.

 

5. Niemand wird dir helfen

Bzw. dein persönlicher digitaler Assistent, denn Peter niemand nannte. Mit Alexa und Co sind wir da schon gar nicht so weit entfernt. Noch funktioniert das alles über sprach Steuerung aber wenn Amazon uns das Bier bestellt dann wissen sie auch wo wir essen gehen wollen oder ob wir gerne wüssten wann das nächste interessante Event in meiner Nähe ist. Das der robotor in form eines Or´hrwurms kommt wage ich zwar zu bezweifeln aber sonst geben wir dem Autor recht, wieso sollte es sie nicht geben?

 

6. Selbstfahrende Autos

In der Geschichte taucht Herbert auf, eines von vielen autonomen Fahrzeugen. Das in naher Zukunft der Mensch nicht mehr am Steuer sitzt sollte kein Geheimnis sein, viel interessanter sind jedoch die moralischen Implikationen, Herberts Hobby. Sollte ein Unfall entstehen und der tot von Menschen nicht vermeidbar sein, wenn bringt man das zukünftig um? Moralische Dilemmata die vorher nur theoretisch relevant waren werden tatsächlich real. In Quality Land sind Personenanzahl, Level, Alter und voraussichtlicher Sachschaden die Kriterien, in unserer Realität werden genau diese noch ausgearbeitet.

 

7. Werbung

Klings Buch selbst ist in 2 Ausgaben erhältlich, für Optimisten die helle Edition, für Pessimisten die dunkle Edition.  Unterschiedlich sind sie in den Nachrichten, der Werbung und dem Quality Reiseführer Tipps. Damit ist das wohl das erste personalisierte Buch überhaupt. Und natürlich ist personalisierte Werbung schon digitale Gegenwart. Jedoch gibt es denn Creepiness-Faktor, welcher besagt das wir uns unbewusst beobachtet fühlen, wenn die Werbung zu genau passt, weswegen absichtlich unpassende Anzeigen erscheinen. Also wieder die Frage: wie weit lassen wir es kommen?

 


Willkommen in QualityLand?

 

Also, hat Marc-Uwe recht und werden wir eines Tages in QualityLand leben? Wahrscheinlich werden unsere Nachnamen nicht angepasst und uns die Freiheit noch suggeriert. Doch ansonsten ist das alles erschreckenderweise realistisch. Doch wir sind Teil unserer Welt führen sie alle in die Zukunft. Wie diese aussieht entscheidet also jeder einzelne mit seiner Bereitschaft gegenüber Daten Verwendung mit.

Was denkst du? Sag es uns in den Kommentaren 🙂

 

 

Bildnachweis:

Beitragsbild: Pexels von Pixabay

Mund: BarbaraALane von Pixabay

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