“Ich habe unzählige Fehler gemacht!”

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– im Gespräch mit Peter Mühlmann, Gründer von Trustpilot

Vor zehn Jahren gründete Peter Mühlmann Trustpilot. Aus dem Abenteuer Gründung wurde eine globale Marke, die mittlerweile jeden Monat von Milliarden Menschen genutzt wird. Heute ist Trustpilot unter den Top 1% aller Websites weltweit (Quelle 1 siehe unten) – dieser Erfolg spricht für sich.  Aber die Anstrengung, eine der weltweit führenden Review-Plattformen aufzubauen – kostenlos und offen für alle – hat auch viel Blut, Schweiß und Tränen gekostet. Peter Mühlmann gibt Einblicke in die größten Fehler und Verluste und erzählt, was er anders machen würde, wenn er noch einmal ganz am Anfang stünde.

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Was war der größte Fehler, den du beim Aufbau deines Unternehmens gemacht hast?

Ich habe unzählige Fehler gemacht! Wenn man innovativ sein und Dinge neu gestalten will, gehören große oder kleine Missgeschicke einfach dazu. Denn keine Fehler zu machen bedeutet im Grunde, nie wirklich versucht zu haben, etwas Neues zu schaffen. Man sollte sich daher also nicht vor Fehlern fürchten, sondern vielmehr schnell von ihnen lernen und weitermachen.

Als ich die erste Version der Website erstellte, habe ich zunächst einen Berater eingestellt, da ich selbst nicht programmieren konnte. Das war eigentlich eine  fatale Fehlentscheidung und hätte sich im Nachhinein als mein größter Fehler herausstellen können. Denn wenn man ein Unternehmen gründet, braucht es einen ebenbürtigen Mitgründer. Ansonsten wird es nämlich schnell verdammt einsam und man macht sich das Leben nur noch schwerer. Ein weiterer Fehler, den es zu vermeiden gilt ist es, wichtige Teile des Unternehmens auszulagern. Wenn du wie ich ein Technologieunternehmen aufbaust, aber keine Mitarbeiter mit dem nötigen Tech-Background hast, dann hast du im Grunde kein Unternehmen. In meinem Fall erwies sich der Berater zum Glück als meine Rettung und er half mir, viele andere sehr qualifizierte Techniker zu finden. Ich schätze ich hatte Glück und bin die Ausnahme der von mir eben erklärten Regel. Aber ich hätte das Unternehmen beinahe in den Sand gesetzt, bevor wir überhaupt richtig angefangen hatten.   

Womit hast du die meiste Zeit verschwendet?

Die falschen Leute einzustellen. Man sollte sich wirklich gut überlegen, wer bei einem anfängt. Denn als Gründer baut man zunächst das Team auf und dieses baut anschließend das Unternehmen auf. Es ist gar nicht so einfach, jemanden mit der richtigen Arbeitsmoral zu finden, also jemanden der einerseits so leidenschaftlich ist wie man selbst, gleichzeitig super talentiert auf seinem Gebiet ist und sich dazu noch darauf konzentriert, die Grundlagen der Geschäftswelt richtig zu verstehen. Hierbei wählerisch zu sein kostet zwar Zeit, aber es zahlt sich am Ende aus, da ansonsten das Unternehmen leidet. Heute stellen wir nur die besten Leute ein und was mich besonders stolz macht, ist die große Menge an Talenten, die wir für Trustpilot gewinnen konnten.

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Hast du jemals deine Motivation verloren? Und was machst du, um sie aufrechtzuerhalten?

Bei uns ist etliche Male das Geld knapp geworden. Nach unserer ersten Finanzierungsrunde konnten wir zu Beginn einfach nicht genügend Umsatz generieren. Neun Monate lang hing ich jeden Tag am Telefon, um Geschäfte abzuschließen, während ich zeitgleich mit ansehen musste, wie das Geld auf unserem Konto immer weniger wurde. Ich ging nach Mitternacht ins Bett und wachte um vier Uhr morgens auf. Das war während der Winterzeit in Dänemark, so dass ich selten Tageslicht zu Gesicht bekam. Aber ich war fest entschlossen, erfolgreich zu sein, und mit der Unterstützung meines Teams schaffte ich es, durchzukommen. Am Ende schlossen wir eine weitere Investitionsrunde ab. Ich denke, das haben wir nur geschafft, weil wir immer an uns geglaubt und nie wirklich bezweifelt haben, dass wir das Potenzial haben, eine der mächtigsten Review-Plattform der Welt zu werden. Am Ende hat sich dieser Glauben bewahrheitet. Aber es war ein sehr, sehr langer Winter. Heute achte ich darauf, regelmäßig zu trainieren, mich gesund zu ernähren und hin und wieder zu meditieren. Nicht, dass ich fanatisch wäre, aber dein Körper ist dein Hauptmotor. Daher muss man ihn mit etwas Sorgfalt behandeln.  

Was hast du am meisten geopfert, als du dein eigenes Unternehmen gegründet hast?

Beim Aufbau eines eigenen Unternehmens lernt man immer wieder neue Dinge. Das ist aber unumgänglich. Es gibt ständig neue, nie dagewesene Herausforderungen. Aber  nur diese machen einen letzten Endes zum Experten auf seinem eigenen Gebiet. Wenn man jedoch ständig geschäftlich eingespannt ist, sei es bei der Vorbereitung einer Produktfreigabe, einer Präsentation vor einem neuen Investor oder mit der Vergrößerung des eigenen Unternehmens, entwickelt man schnell einen Tunnelblick. Am Ende ist man dann vielleicht ein äußerst kompetenter Business Developer, lässt jedoch viele andere wichtige Aspekte seines Lebens außer acht. Nur wenn man um dieses Risiko weiß, kann man sicherstellen, den anderen Bereichen zwischendurch oder während einer Atempause ebenfalls Beachtung zu schenken.  

Was ist der schlechteste Ratschlag, den du je erhalten hast?

Dass man immer nur auf erfahrene Stimmen hören und sich ausschließlich von deren Handlungen leiten lassen sollte. Gute Ratschläge sind wichtig. Am Ende des Tages jedoch muss man als Gründer seine eigenen Entscheidungen treffen und sich mit diesen auch wohlfühlen. Wenn man ausschließlich auf der Grundlage von Ratschlägen anderer Menschen handelt, verliert man sich selbst, und das ist nie gut. Im Grunde ist es dasselbe mit Rezensionen. Sie dienen meist als ein sehr guter Indikator, aber letztlich sollte man seine Kaufentscheidung nie ausschließlich auf eine Bewertung stützen, die man gelesen hat.  

Vielen Dank für das Interview!

Über Peter Mühlmann

Peter Mühlmann gründete Trustpilot 2007 und war und ist der Haupttreiber für die weitere globale Expansion des unabhängiges Bewertungsportals. Peter leitet das Unternehmen mit den Schwerpunkten Geschäftsstrategie und Produktentwicklung. Im Jahr 2013 wurde er von Ernst & Young zum dänischen Unternehmer des Jahres gewählt. Peter studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Aarhus, entschied sich aber nach der Gründung von Trustpilot, die Universität zu verlassen, um sich ganz auf das Geschäft zu konzentrieren.


1) Quelle: https://www.alexa.com/siteinfo/trustpilot.com, unter etwa 30 Millionen erfassten Domains nimmt Trustpilot.com Rang 618 ein, und gehört somit zu den Top 1% Websites weltweit.

Bildnachweis:

Bilder zur Verfügung gestellt durch Trustpilot

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