Freiheit auf vier Rädern: Leben und Reisen im Van

Wir hatten die Chance ein inspirierendes Interview mit Neele zu führen. Seit August 2018 lebt und reist sie in ihrem Van.
Ihr findet sie auf Instagram unter @this_is_vantastic.

1) Wie bist du darauf gekommen nach dem Abi mit dem Van unterwegs zu sein und was hat dafür gesprochen diesen Lebensstil im Studium weiter zu führen? Erzähl uns mal ein bisschen von deiner Geschichte.

Schon mit 14 Jahren habe ich beschlossen, nach dem Abitur ein Jahr durch Europa zu reisen. Ich war neugierig, was der Kontinent, auf dem wir leben, landschaftlich sowie kulturell zu bieten hat. Mein Bett wollte ich gern immer dabei haben, um möglichst flexibel zu sein. Schließlich habe ich mich gegen einen Wohnwagen und für einen Campervan entschieden. 

Nach meiner Reise hat sich der Plan, das Fahrzeug wieder zu verkaufen, geändert. Der Van ist zu meinem Zuhause geworden, ich schätze die dadurch gewonnene Freiheit sehr und ich kann mir ein Leben in einer Wohnung tatsächlich nicht vorstellen. Während des Studiums in einem Auto zu leben, klingt im ersten Moment verrückt, aber es funktioniert besser als ich dachte! 

2) Wie kann man sich das im Moment in der Praxis vorstellen? Stehst du mit dem Auto vorm Vorlesungssaal oder doch eher Campingplatz?

Schon unterwegs habe ich Campingplätze gemieden und auch in Deutschland stehe ich am liebsten frei. In Uninähe zu parken, ist in meiner Stadt zwar nicht so einfach, aber mit der Zeit finde ich immer bessere Parkplätze und lerne auch die Stadtteile ziemlich gut kennen. Schließlich ist das Übernachten im Auto in Deutschland eine Grauzone und ich wechsle alle paar Tage den Übernachtungsspot. Für die Zukunft könnte ich mir allerdings auch einen festen Platz vorstellen, was einiges erleichtern würde. Im Moment scheint mir das noch zu sesshaft.

3) Wie machst du das mit Internet und Lernen und Co?

Ich habe einen mobilen Wlan-Router im Van, den ich bisher allerdings nur im Ausland genutzt habe. Deutschland ist leider nicht so weit wie andere Länder, wenn es um bezahlbare Prepaidkarten geht, die ich für den Router brauche. Das ist in meiner Situation aber nicht problematisch, weil ich das Wlan in der Uni nutze. 

4) Ist das nicht total gefährlich die Verführung man könnte jeden Moment ungeplant eine kleine Reise unternehmen? Lenkt dich das vom studieren ab?

Tatsächlich nicht. Mein Alltag hat sich gänzlich verändert und auch den Van nutze ich während des Studiums weniger als Auto, sondern mehr als Wohnung. Das Schöne ist ja, dass ich jederzeit weg kann, selbst wenn es nur ein kurzer Wochenendtrip ist. In den Semesterferien geht es spätestens wieder los ins nächste Abenteuer. 

5) Machst du Partys in deinem Van bzw wie ist das dann so mit Freunde treffen? Klappt das auch auf so engem Raum oder dann doch lieber weggehen?

Viel häufiger bin ich abends noch bei Freunden, was ehrlich gesagt auch den winterlichen Temperaturen geschuldet ist. Oft kochen wir zusammen (was im Van mit mehr Aufwand verbunden wäre) und dann nutze ich im Anschluss die Gelegenheit, eine heiße Dusche zu erschnorren. :

Im Sommer macht Vanlife einfach mehr Spaß, da wird sicherlich die ein oder andere Outdoorparty stattfinden. 

6) Was sind Hindernisse mit denen du konfrontiert warst und gab es Lösungen dafür?

Das einzige, was wirklich nervt, ist die Duschsituation. Im Sommer ist das durch meine Außendusche kein Problem, im deutschen Herbst, Winter, Frühling eben schon. Damit ich nicht immer auf andere WG’s angewiesen bin, nutze ich seit Kurzem die Dusche im Unisportzentrum. Auch eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Schwimmbad wäre denkbar. 

Außerdem ist mein Van nicht winterfest. Ich schlafe zur Zeit mit einem Schlafsack und fünf Decken, an die Kälte habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Trotzdem ist es unschön, wenn Wasser oder Lebensmittel einfrieren und auch tagsüber lässt es sich im Auto (trotz Dieselstandheizung) nur mit Winterjacke aushalten. In diesen Momenten bin ich froh, Studentin zu sein. Dadurch kann ich mich tagsüber nicht nur in der Uni oder Bibliothek aufhalten, sondern auch in der Mensa essen, Strom und Wlan nutzen usw. 

7) Was sind deiner Meinung nach die größten Vorteile für diesen Lebensstil?

Mein Zuhause auf Rädern gibt mir Freiheit, Unabhängigkeit und Flexibilität. Das Gefühl, nicht an ein Haus gebunden zu sein, habe ich lieben und schätzen gelernt. Ich lebe viel bewusster, minimalistischer und bin ständig draußen. Strom beziehe ich durch Solar, mein Wasserverbrauch ist unfassbar gering und ich habe nur das Nötigste dabei. 

Sicherlich ist dieser Lebensstil nichts für jeden und vor allem ist das Vanlife ganz anders als auf social media vermittelt, aber für mich überwiegen die Vorteile und ich möchte mein kleines Zuhause nicht mehr missen. 

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