Gegen den Strom

Als digitale Nomadin unterwegs zu Corona-Zeiten

Josey ist Mitte Januar mit dem Wohnmobil Richtung Portugal gereist und bis heute dort unterwegs und genießt das freie Leben und die Natur. Sie gibt Yoga Online Stunden und ist als digitaler Nomade unterwegs. Mich haben unglaublich schöne Bilder erreicht und wir wollten euch diesen ungewöhnlichen Weg nicht vorenthalten.

Im Folgenden schreibt sie über ihre Gedanken zu dieser Reise.

Reise ins Ungewisse

Es fließt langsam Bewusstsein durch meinen Körper. Mein Geist wird aktiver, präsenter, löst sich aus einem luziden Zustand heraus. Ich öffne meine Augen, blicke aus dem Fenster. Links über mir strahlendblauer Himmel. Auf der rechten Seite wilde, große Wellen, die über raue Felsen Richtung Strand fließen. Ein paar Surfer laufen raus ins offene Meer, raus in den Sonnenaufgang, raus in einen neuen Tag. Auch für mich beginnt ein neuer Tag. Ein neuer Tag voller Ungewissheit, voller Bewegung und Abenteuer. Ein neuer Tag an der Südküste Frankreichs. Zusammen mit Robert, Tabea und Simon, mit denen ich vor ein paar Tagen in unserem Wohnmobil in die Reise ins Ungewisse aus Freiburg gestartet bin. Es gibt kein konkretes Ziel, und außerdem ist der Weg das Ziel. Aber wir bewegen uns Richtung Portugal, Südportugal, sind auf der Suche nach einem wärmeren, schöneren Ort zum arbeiten und produktiv sein, als Deutschland.

Arbeiten auch von unterwegs

Ich unterrichte Yoga, momentan einmal die Woche Hatha und Vinyasa über Zoom. Und ich schreibe Texte und Artikel – über Psychologie, alternative Pädagogik, Spiritualität und Heilarbeit. Für meine erste Yogastunde on the road habe ich den perfekten Ort gefunden – an den Klippen, das türkisblaue Meer und Wellenrauschen im Hintergrund, die Sonnenstrahlen fallen auf meine Matte. Ich darf Roberts Smartphone ausleihen. Er hat 1GB Daten-Roaming im Ausland und ich hoffe, dass es reicht für die Zoom-Übertragung. Meine Yogis und Yoginis freuen sich über den Szenewechsel und die Sonne im Hintergrund, wenn auch etwas Neid spürbar wird. Die Verbindung scheint zu klappen. Die Videos und Audios der Teilnehmer schalte ich vorsichtshalber aus. Nach unserer Meditation und den Sonnengrüßen wird es ziemlich stürmisch. Mein Audiosignal wird immer schlechter und ich verlasse mich darauf, dass die Asanas durch das Video selbsterklärend sind. Trotzdem bleibt in mir ein Funken schlechtes Gewissen, dass die Stunde nicht so gut läuft wie in meinem Zimmer zuhause.

Warum Josey das macht

Dafür habe ich das Meer, die Berge, den Schnee, die absolute Freiheit. Wir fahren weiter, stoppen an einem kleinen Bach irgendwo in den Pyrenäen zum Eisbaden. Ich fühle mich wie neugeboren. Fühle die Kraft und Kreativität an meinen Artikeln weiterzuschreiben. Auch wenn mir in den Kurven hinten im Wohnmobil beim Blick auf meinen Laptop immer mal wieder etwas schlecht wird, fühle ich wahnsinnige Dankbarkeit. Für all die Schönheit, all die Natur, all die neuen Eindrücke, die ich aus dem Fenster während unserer Fahrt sehen darf. Für den unglaublichen Sternenhimmel, die Eiseskälte in der Nacht, das gemeinsame Kochen bei Kerzenschein und die Sonnenstrahlen und das Salz auf meiner Haut.

Zwischendurch sind da auch Sorgen und Ängste: dass wir auf der Reise aufgehalten werden, dass wir nicht weiterkommen und irgendwo stecken bleiben, dass ich nicht genug Geld verdiene, dass ich keine Ruhe zum schreiben finde, dass das Internetsignal für meine Stunden zu schlecht ist. Und dann kommt wieder Vertrauen, dass alles gut so ist wie es ist, dass das kommt, was kommen soll, dass das Leben einzig und allein eine Reise ist.

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