Wieso BlaBlaCar so erfolgreich ist

Wer nicht trampen möchte und auch nicht so auf Zug und Bus steht, der fährt am Besten mit Blablacar Heute kann man ganz unkompliziert Mitfahrgelegenheiten per App organisieren. (Bild Pixabay / Free-Photos)

Viele haben es schon benutzt und die, die es nicht haben, sollten das schleunigst mal nachholen. Eine Fahrt mit BlaBlaCar ist immer ein Abenteuer und wenn man nette Leute im Auto hat (was meistens der Fall ist) macht das Ganze auch wirklich Spaß!

 

Grad gestern hab ichs wieder benutzt. Wir sind von Den Haag nach Saarbrücken gefahren. Im Auto waren ich, eine Mexikanerin die in Luxemburg arbeitet, eine Niederländerin die bald auf Reisen geht und der Fahrer war ein Libanese der 7 Sprachen spricht und an der Universität des Saarlandes arbeitet. Lustiges Völkchen waren wir und auch wenn die Fahrstrecke ziemlich lang war, hatten wir ziemlich viel Spaß und viel zu erzählen.

 

Ich hab grade nachgeschaut, noch 2 Fahrten fehlen mir, dann bin ich „Botschafter“. Ich habe die App in letzter Zeit wirklich viel genutzt, aber seien wir mal ehrlich, ohne wäre ich auch ganz schön aufgeschmissen gewesen. Diese Mitfahrgelegenheiten geben mir die Chance meine Familie zu besuchen während des Studiums oder auch mal eine kleine Reise zu unternehmen.

Jedenfalls finde ich, dass BlaBlaCar ein tolles Unternehmen ist und ich bin echt froh, dass es sie gibt.

 

Weil ich ihre Geschichte spannend finde, habe ich einige Fragen an den Country Manager von Deutschland gestellt, Gregor Pawlowski:

 

Wie eine kleine Mitfahrzentrale ganz groß wurde

 

Gregor Pawlowski ist seit Anfang des Jahres neuer Country Manager bei BlaBlaCar Deutschland. Stell dich doch zunächst einmal vor.

 

Hi, ich bin Gregor und leite seit Anfang des Jahres das deutsche BlaBlaCar-Team. Die Position des Country Managers gab es so vorher noch nicht bei uns, war aber eine logische Konsequenz, nachdem wir als Plattform seit dem Start in Deutschland stark gewachsen sind. Als Country Manager bin ich das Bindeglied zwischen unserem globalen Headquarter und dem lokalen Team bzw. BlaBlaCar.de.

 

Dieser Mann lenkt und waltet über die Mitfahrgelegenheiten der größten Mitfahrgelegenheit zentrale in Europa.

Gregor Pawlowski ist der neue Country Manager bei BlaBlaCar Deutschland.

 

Pawlowski ist bereits seit Launch der Mitfahr-Plattform am Standort Hamburg beschäftigt. Als einer der ersten Mitarbeiter im deutschen Team durchlief er unterschiedliche Rollen vom Community- bis zum Marketing- und Projektmanagement und wirkte entscheidend daran mit, den deutschen Markt zu erschließen und BlaBlaCar zum Mitfahr-Marktführer zu machen. Erzähl uns mal ein bisschen über deinen Weg und wie du zum Deutschlandchef wurdest.

 

Wenn man so will, habe ich einen eher ungewöhnlichen Background: Ich habe Politikwissenschaften, Linguistik und öffentliches Recht studiert und war während des Studiums eher im öffentlichen Sektor unterwegs, beim Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages oder der deutschen Botschaft in Washington. Weil ich das Start-Up-Umfeld allerdings schon immer recht spannend fand, habe ich dann damals bei BlaBlaCar kurz nach dem Einstieg in Deutschland angeklopft. Ich weiß noch, wie ich mein erstes Gespräch mit den Gründern in Paris hatte und wie sehr mich die anregende und kooperative Atmosphäre im alten französischen Büro begeistert hat.

Das deutsche Team war eigentlich ein kleines Start-Up im Start-Up, da wir die Länderplattform neu aufgebaut haben. Wie du schon erwähnt hast, habe ich dann an allen Ecken und Enden mitgearbeitet. Das kommt mir auch in meiner jetzigen Rolle zugute: Ich habe sämtliche Positionen, die für unsere Plattform essentiell sind, durchlaufen und so ein gutes Gefühl für unsere Community und den deutschen Markt bekommen.

 

BlaBlaCar ist eine der großen europäischen Erfolgsgeschichten. Wie kam es dazu und was macht euch aus?

Frédéric kam die Idee zu BlaBlaCar, weil er vor einem Problem stand: Er wollte zu Weihnachten seine Familie besuchen, hatte jedoch selbst kein Auto und alle Züge waren ausgebucht.
Als er schließlich gemeinsam mit seiner Schwester auf der Autobahn Richtung Heimat fuhr, sah er, wie viele Autos mit nur einer Person besetzt unterwegs waren. Warum taten sich Menschen mit und ohne Auto mit dem gleichen Ziel nicht einfach zusammen? Direkt danach ging es los mit dem Coden und dem Abenteuer BlaBlaCar – erst unter dem Namen covoiturage.fr in Frankreich.

 

Während eines großen Bahnstreiks im Oktober 2007 wurde dann klar, welch großes Potenzial in der Plattform steckte – und das nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Schließlich ist das Auto nach wie vor das mit Abstand beliebteste Verkehrsmittel für die Langstrecke. Allerdings fährt es noch viel zu häufig unzureichend ausgelastet von Stadt zu Stadt. All die freien Sitzplätze, die jeden Tag von A nach B fahren, bilden ein riesiges Reisenetzwerk, das nachhaltig und kostengünstig ist. Und weil innovative Mobilität letztlich überall auf der Welt gebraucht wird, folgte ab 2009 unter dem Namen BlaBlaCar die internationale Expansion und mehrere Finanzierungsrunden.

 

Mittlerweile hat unsere Plattform über 45 Millionen Mitglieder in 22 Ländern und ist damit die weltweit größte Carpooling-Community für die Langstrecke. Mitfahrer buchen ihre Sitzplätze online und in Deutschland zu 100% CO2-neutral. Und mit AXA haben wir einen Partner an Bord, der die Fahrten ohne weitere Kosten zusätzlich absichert.

Nachdem wir in den letzten Jahren stark gewachsen sind, konzentrieren wir uns dieses Jahr komplett
auf die Weiterentwicklung unserer Plattform und wollen weitere Meilensteine für das moderne
Mitfahren setzen.

 

Warum denkst du ist BlaBlaCar so schnell so groß geworden? Wie gelang dieses schnelle Wachstum?

 

Da gibt es eine Menge Faktoren, die zusammengekommen sind. BlaBlaCar ist ein von Grund auf digitales Unternehmen, das es verstanden hat, die Mobilitätsbedürfnisse von Millionen von Menschen weltweit zu bedienen.

 

Reisen bedeutet heutzutage einfach, flexibel und unkompliziert zu einem guten Preis unterwegs zu sein. Gleichzeitig möchten viele Reisende ihren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich halten. Clevere Mobilität gehört zum modernen Lifestyle und das Smartphone ist die Schaltzentrale. Es ermöglicht den Zugang zu Gütern, ohne sie gleich kaufen zu müssen – das Auto ist hier ein Paradebeispiel. Warum eines besitzen, wenn ich doch teilen bzw. mitfahren, leasen oder mieten kann?

BlaBlaCar setzt als Plattform den Rahmen, damit Menschen, die sich zuvor noch nie begegnet sind, ohne großen Aufwand Vertrauen für das gemeinsame Reisen fassen können. Ein paar Klicks oder Taps und schon fährt man zuverlässig zusammen. Das ist effizient und bringt auch noch Spaß. Unser Team – allen voran unsere Gründer – haben schnell erkannt, dass diese Form der Mobilität globales Innovationspotenzial hat. Wer sich einmal die Zeit nimmt und auf der Autobahn einen Blick in die Autos um sich herum wirft, sieht, wie viele Menschen alleine unterwegs sind.

Speziell in Deutschland haben wir Mitfahrgelegenheiten aus der Nische geholt und ins digitale Zeitalter übersetzt. Carpooling ist ein gleichwertiges Verkehrsmittel zu Bus und Bahn geworden, weil es die Vorteile des Autos mit den Vorteilen des Teilens vereinbart.

 

BlaBlaCar heute

 

Ich habe einmal von der Idee eines Trust Brokers gelesen. Was genau ist damit gemeint und arbeitet ihr noch an dem Geschäftskonzept?

 

Über BlaBlaCar teilen Millionen von Menschen, die sich noch nie zuvor begegnet sind, ihre Reisen miteinander. Wir haben also eine Community aufgebaut, die ein großes Maß an Vertrauen im digitalen Raum ermöglicht. Die sozialen Profile, inklusive der Bewertungen von anderen Mitgliedern, sind dabei zentral. Bei BlaBlaCar ist ein ausgefülltes Profil mit vielen Bewertungen eine digitale Visitenkarte. Und tatsächlich gibt es Mitglieder, die ihren Status als BlaBlaCar-Botschafter mitsamt der Bewertungen bereits anderswo im Netz nutzen, um zu zeigen, dass sie vertrauenswürdig sind.
Schließlich kommen die Ratings von Menschen, mit denen sie mehrere Stunden in der realen Welt gereist sind.

Momentan konzentrieren wir uns allerdings voll und ganz auf Projekte, die sich ums Ökosystem Auto, Mobilität und unmittelbar um Carpooling drehen.

 

Überhaupt, inwiefern nutzt ihr die Daten der Benutzer der App und was hat es mit der ID Abfrage in Indien auf sich?

 

Der Schutz von Mitgliederdaten hat für uns als digitale Plattform natürlich höchste Priorität. Deshalb haben wir uns u.a. auch gegen Werbung als Geschäftsmodell entschieden und für eine Servicegebühr pro gebuchtem Sitzplatz.

So werden die Daten nur in Verbindung mit der Nutzung unserer Plattform genutzt und z.B. nicht für Werbezwecke an Dritte weitergegeben.

Auch, wenn BlaBlaCar eine globale Plattform ist, hat jedes Land seine Besonderheiten und jede Community unterschiedliche Anforderungen. Das ist ganz natürlich. In Deutschland gibt es die Grundidee der Mitfahrzentrale bereits seit den 70er-/80er-Jahren und es gibt hier eine ganz eigene Selbstverständlichkeit, was das Teilen des Autos auf der Langstrecke angeht. Meine Eltern sind beispielsweise auch bereits als Studenten bei anderen mitgefahren.

In einem Land wie Indien ist BlaBlaCar eine ganz neue Form der Fortbewegung und das Thema Vertrauen und Vertrauensaufbau zentral. Deshalb gibt es auf unserer Länderplattform dort die Möglichkeit, den eigenen Ausweis als weiteres Vertrauensfeature im Profil zu hinterlegen.

 

Was sind die Problemfelder, mit denen ihr gerade zu kämpfen habt? Gibt es spezifische Probleme, die so nur in Deutschland auftreten?

 

Die größte Herausforderung ist und bleibt, das Mitfahren für eine möglichst breite Zielgruppe attraktiv zu machen und so die Anzahl der Autos, die mit freien Sitzplätzen umher fahren zu reduzieren. In Zeiten, in denen Diesel-Fahrverbote in deutschen Großstädten diskutiert werden, sollte das Bilden von Mitfahrgelegenheiten eine selbstverständliche, weil praktikable Lösung sein.

Die Schlüssel, um das Reisenetzwerk aus leeren Sitzplätzen zu aktivieren, sind für uns als Plattform Qualität, einfache Bedienung und Kostengünstigkeit. Die Einführung der Onlinezahlung im letzten Jahr war hier ein wichtiger Meilenstein. Das war ein großer Schritt in Richtung mehr Zuverlässigkeit beim Mitfahren.

Dass das Mitfahren gerade in Deutschland lange als studentisches Nischenphänomen gegolten hat, ist natürlich auch eine Herausforderung. Für Marketing und Kommunikation und für unsere Funktionen sowie die Technik, die hinter App und Webseite steht. Wir wollen zeigen, dass Carpooling nicht nur eine ebenbürtige Reisealternative ist, sondern anderen Verkehrsmitteln in vielerlei Hinsicht sogar überlegen. Allein in Deutschland werden pro Monat über 80.000 Mitfahr-Haltestellen als Start- und Endpunkte für BlaBlaCar-Fahrten genutzt – wenn es in die Fläche geht, sind wir einfach die komfortabelste, flexibelste und schnellste Lösung.

Wir möchten Carpooling also zum einen bekannter machen und weiter wachsen und zum anderen legen wir dieses Jahr wieder einen starken Fokus auf die technische Weiterentwicklung der Plattform. Das Organisieren und Nutzen von Mitfahrgelegenheiten soll so intuitiv, zuverlässig und flexibel wie möglich sein.

 

Was bietet eigentlich euer Versicherungsschutz?

 

Die zusätzliche Absicherung von BlaBlaCar-Fahrten durch unseren Partner AXA ist kostenfrei und bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Zuverlässigkeit und Vertrauen. Gibt es im Rahmen einer BlaBlaCar-Fahrt z.B. eine Panne, sorgt AXA für Pannenhilfe oder dafür, dass Fahrer und Mitfahrer an ihr Ziel kommen.

 

Die Zukunft von Transport und Logistik

 

Wollt ihr in Zukunft weiter expandieren? Was sind interessante Märkte für euch und wieso?

 

Wir konzentrieren uns gerade ganz auf die technische Weiterentwicklung unserer Plattform, nachdem wir in den letzten Jahren stark expandiert haben. Ein konkretes neues Land ist momentan nicht im Gespräch – aber man kann natürlich nie wissen. Es gibt sicherlich noch so einige Märkte, die großes Potenzial für eine innovative Mobilitätsform wie unsere bieten.

 

Werdet ihr auch weitere Geschäftsmöglichkeiten erschließen wollen? Welche wären das? Warentransport? Fastfood? Wo geht die Reise hin?

 

Wir denken natürlich immer in die Zukunft und daran, wie wir unseren Service weiter ausbauen können. Der Bedarf an Mobilität, die clever, günstig und nachhaltig ist, wächst schließlich stetig. Wir haben beispielsweise gerade mit BlaBlaLines in Frankreich ein Pilotprojekt für Carpooling auf Kurzund Mittelstrecken gelauncht, das speziell Pendler adressiert. Außerdem sind wir eine Partnerschaft mit ALD Automotive und Opel eingegangen, durch die unsere französischen Botschafter zu bisher einmaligen Konditionen Zugang zu einem Auto in Form von Leasing bekommen.

 

Steht ihr eigentlich unter Konkurrenzdruck?

 

Unser größter Wettbewerber ist letztlich die verbreitete Angewohnheit, allein im Auto unterwegs zu sein . Die leeren Sitzplätze in umherfahrenden Autos sind ein unsichtbares Mobilitätsnetzwerk. Und das ganz, ohne weiteres Blech auf die Straße setzen zu müssen. Im Schnitt sitzen in Europa auf der Langstrecke nur 1,7 Personen in einem Auto – das Potenzial ist also leicht ausrechenbar.

Da wir uns auf dem Langstreckenmarkt bewegen, befinden wir uns aber natürlich auch im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln, insbesondere wenn es um Preis und Schnelligkeit geht.

Das Auto ist allerdings nicht umsonst nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel auf Strecken zwischen 100 und 800km. Es vereint eindeutige Vorteile in sich – Komfort, Schnelligkeit, Preis, Flexibilität –, die gerade in der Fläche, also auch außerhalb der Großstädte, unschlagbar sind.

 

Was denkt ihr über selbstfahrende Autos?

 

Autonomes Fahren ist wie der Elektroantrieb und die geteilte Mobilität die Zukunft des Autos. Die Entwicklungen zeigen, dass – entgegen in der Vergangenheit getätigter Prognosen – die Attraktivität des Pkw nicht ab-, sondern im Gegenteil, zunehmen wird. Was sich ändert, ist die Art wie wir das Auto nutzen und wahrnehmen. Durch das autonome Fahren wird das Auto ein noch bequemeres Reisemittel, denn es verwandelt unproduktive Fahrzeit in Unterhaltungs- oder Arbeitszeit. Der geteilten Mobilität wird dies allerdings keinen Abbruch tun. Es wird eher so sein, dass selbstfahrende Autos intelligent miteinander vernetzt und effizient ausgelastet sind – es braucht nicht mehr jeder mit dem eigenen Auto fahren und die Straßen entlastet.

 

Welche Art von Personal braucht ihr in Zukunft?

 

Unsere DNA ist gleichzeitig digital und analog, visionär und an der Gegenwart orientiert. Von der IT, über den Mitgliederservice, bis zum Marketing und dem Business Development, brauchen wir Mitarbeiter, die agil sind und Leidenschaft haben für die Zukunft der Mobilität bzw. des geteilten Autos.

 

 

Ich habe mich sehr über dieses Interview gefreut und bedanke mich im Rahmen von Digitalconomics!

Diese Seite teilen:

1 Kommentar

  1. Ich fände, das wäre eine ziemlich praktische Sache wenn Blabla Car so etwas wie Uber Eats umsetzen würde. Ich habe das im Ausland häufig genutzt und muss sagen, irgendwie fehlt mir das ein bisschen.

Kommentar hinterlassen